Bob311 hat geschrieben: ↑Sonntag 6. September 2020, 09:24
Bei mir geht es auch weiter. Habe gestern den Motor rausgeholt und siehe da, die Schwungscheibe ist lose. Trotz des vorhandenen wenn auch abgenutzten Sicherungsblechs waren alle(!) 5 Schrauben lose oder nur sehr,sehr leicht angezogen.
Ach guck an, sind dann doch oft die ersten Vermutungen, welche sich als zutreffend erweisen
Ich denke, ich werde den Block erstmal zusammenlassen und nur die Schwungscheibe inkl. Sicherungsblech und Schrauben ersetzen. Der Zahnkranz ist nämlich auch noch stark abgenutzt und hatte beim Anlassen schon arge Probleme bereitet. Bleibt die Frage, warum sich das ganze so lösen konnte und wie ich das zukünftig verhindere.
Naja, ob Du den Block zusammenlassen kannst, steht und fällt mit dem Zustand der Planfläche des Kurbelwellenstumps und dessen Gewindebohrungen. Die Momentenübertragung von der KW auf die Schwungscheibe wird nämlich durch eine Kombination aus der Adhäsion zwischen KW-Stumpf/Schwungscheibe und den auf Scherung beanspruchten Verschraubungsbolzen sicher gestellt. Ist die Planfläche beschädigt, z.B. riefig oder es haben sich Scharten gebildet, dann kann auch mit noch so großen Anpressdruck durch die Bolzen keine ausreichende Adhäsion mehr erreicht werden. Das gleiche gilt dann logischer Weise für die Gewindebohrungen, sind diese beschädigt, kann das erforderliche Anzugsmoment der Bolzen nicht mehr aufgebracht und damit auch die erforderliche Adhäsion nicht erzeugt werden. Sieh Dir den Stumpf also genau an, sonst hält die neue Scheibe dann auch nur von heute bis mittag

Im Zeifel würde ich dann lieber die KW wechseln.
Achso, dass die Schwungscheibe hinne ist, ist hoffentlich klar, deren Bohrungen sind nun ja oval geschlagen. Damit fehlt den Bolzen die erforderliche Passung und damit die Voraussetzung, ihren Anteil des Drehmoments zu übertragen.
Sorgt der Wellendichtring dahinter dafür, dass der Motor keine Nebenluft zieht oder eher, dass kein Öl nach außen tritt? Könnte solches Öl zum Lösen der Schrauben geführt haben? Ich entdeckte an der Stelle Fett, auf den Fotos sieht es etwas aber auch nach Undichtigkeit aus.
Beides, also die Abdichtung sorgt für keine Nebenluft und verhindert Ölaustritt. Allerdings ist das was Du da hast, kein Wellendichtring, sondern eine als Kolbenringabdichtung bezeichnete Labyrinthabdichtung:
Diese gelten als ewig haltbar, ein Ölaustritt ist hier unwahrscheinlich und wenn, dann allenfalls als leichtes Schwitzen - Gedanken musst Du Dir da nicht machen. An sonst - Öl löst keine Schrauben, es ist Gott sei Dank nicht dazu in der Lage, Stahl aufzulösen und weich zu machen
Unter der Voraussetzung, dass das alles Material beim Montieren ursprünglich mal einwandfrei war, vermute ich als Grund für das Übel eine Kombination aus ungenügenden Anzugsmoment der Bolzen und einem gut gemeinten aber grundverkehrten Einfetten/Ölen der Verbindung (bringt die Adhäsion zwischen KW-Stumpf/Schwungscheibe auf nahezu Null) - also schlicht einen Montagefehler.
Wenn Du nun an Deinen hoffentlich noch verwendbaren Kurbelwellenstumpf eine neue Scheibe anbaust, dann entfette vorher alles und montiere diese bitte staubtrocken. Das Anzugsmoment für die Bolzen beträgt dann nach den letzten AWE-Angaben 60 Nm wobei jedoch für den B1000 78,5 Nm angegeben sind - ich tendiere eher zu letzten Wert. Die Bolzen sind dann tatsächlich auch über Kreuz anzuziehen. Sehr hilfreich ist übrigens so ein Gegenhalter aus dem VW-Regal:
Viel Glück
