Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

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Wartfan
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Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

Beitrag von Wartfan » Montag 12. Mai 2014, 19:11

Hallo,
Wie viele Wissen stelle ich immer mal wieder wenn mich eine Frage interessiert die mit dem Normalen Altag der DDR zu tun sie hier. Das ist bisher recht positiv aufgnommen worden und daher sehe ich keinen Anlass es nichtmehr zu machen. Da ich wirklich Sachen frage die nicht so einfach in irgend einen Buch zu erlesen sind.

Ich wollte hier an dieser Stelle einmal fragen wie es mit der erhältlichkeit des Lebensmiittel Fisch aussah. Damit meine ich nicht irgend eine Art sondern ganz Allgemein. Die Frage stellte sich mir als ich einmal am Fisch Regal unseres Heimischen HO (EDEKA :D) Vorbeischlenderte. Und mir ehrlichgesagt dazu nirgendswo ein Bild machen konnte.
Und aus dem Typischen Grund das ich hier in Kassel niemanden habe den ich fargen kann wende ich mich daher an euch.

MfG

majo
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Re: Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

Beitrag von majo » Montag 12. Mai 2014, 20:50

Fisch in Büchsen und Gläsern gab´s eigentl. immer. Rollmops, Brathering, Salzhering ect.pp. Dosenfisch kam aus Saßnitz ( gibts heute noch und heißt " Rügenfisch " ) ... in Tomatensoße, Paprikasoße, Dillsoße ect.pp und der berühmte " Scomber-Mix "
Ölsardinen gab´s nur im " Deli " oder aus´m Westpaket. ... es sei denn man hatte gute Kontakte zu den " Freunden " . Die hatten sowas auch ... und deren Büchsen waren doppelt so groß.
Räucherfisch gab´s auch ..... meißt Makrele und Hering ... Aal und Scholle meist nur anne Küste und wie im ganzen Land nur als Bückware, ebenso wie anderes Ostsee-Meeresgetier.
Wobei so´n Räucheraal, wenn man mal einen ergattern konnte, eigentl. nicht wirklich zum Verzehr gekauft wurde, sondern viel mehr als Tauschware.
Irgendwann in den ´80er gab´s dann in der sächs. Provinz auch Fischstäbchen .... die war´n zwar nicht auf dem heutigen Standart, aber die waren gut. Immerhin besser als die komischen Fischbuletten, die man aus Furcht vor´m Inhalt schon nicht haben wollte.
Frisch-Fisch .... hatten nur Angler oder wenn Saisonbedingt die Karpfenteiche abgefischt wurden, auch die Nicht-Angler.
Jeder mir bekannte Petri-Jünger hatte und hat noch ´n Räucherofen. ....

.... kann man sich gar nicht mehr vorstellen ......... und es hat auch funktioniert.

PS: Hering in Tomatensoße aus den riesigen Fischbüchsen ( 500 g ) von den " Freunden " war´s Beste.

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Gepi 13
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Re: Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

Beitrag von Gepi 13 » Montag 12. Mai 2014, 21:32

Bei uns im Konsum gabs den Räucherfisch immer in ner ollen Zeitung eingewickelt :) .
oh man, ich war noch so klein, aber sowas vergisst man nicht....
einsdreierverunstalter.

Wartfan
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Re: Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

Beitrag von Wartfan » Montag 12. Mai 2014, 22:47

Ok.
Schöne Beiträge wirklich Klasse geschrieben und für mich auch sehr verständlich vielen vielen dank. Den es ist nicht nur dieses Wissen was man sich aus Büchern aneignen kann sondern diese ganz alltäglichen Sachen.
An majo wirklich toll geschrieben. Nur es tut mir wirklich leid aber ich weiß wirklich nicht was du mit "Freunden" meinst.
Und wenn man heute Fisch kauft dann ist er ja relativ teuer im Vergleich. War das auch in dér DDR so?
Ich meine jetzt nicht das du genaue Preise sagen sollst. Nur jetzt die Frage ob du dich erinnern kannst ob es auch so teuer war.

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Gepi 13
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Re: Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

Beitrag von Gepi 13 » Montag 12. Mai 2014, 22:58

Die Russen wahren unsere ,,Freunde´´....

Zu Fischpreisen kann ich nichts sagen, ich weiß nur das ein Kumpel von mir, geboren und aufgewachsen an der Küste, bzw Schollen an die Schweine verfüttert hat, weil keiner die ,,scheiße´´ haben wollte :P Heute teuer wie sau....
einsdreierverunstalter.

Wartfan
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Re: Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

Beitrag von Wartfan » Montag 12. Mai 2014, 23:40

Achsoooo. Okay also die Russen sind gemeint. Ok sry

majo
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Re: Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

Beitrag von majo » Dienstag 13. Mai 2014, 18:46

... Jenau! Die Soldaten der " ruhmreichen Sowjet Armee " :mrgreen:

So ´ne Dose Hering in Tomatensoße hat EVP 1,30 M gekostet ... gibbet gerade inne Bucht:
http://www.ebay.de/itm/251524113040

.... sonst hat sich das nicht viel mit den Westpreisen genommen. Nur eben DDR-Mark via West-Mark also 1:1. .... ähnlich wie beim Fleisch, Schweinefleisch Bsp. Schnitzel hat 10,00 M / kg und Rindfleisch Bsp. Braten 14,00 M /kg gekostet ... und inne Bananen Republik jenauso .. nur eben D-Mark.
Ich weiß noch, daß ´n Fischbrötchen inkl. Faßlimo ( 0,25 l ) 1,30 M auf´m Volksfest gekostet hat. Die anderen Preise sind mir enntfallen ... iss ja nun ooch schon ´ne Weile her. :zwink:

Der Preisverfall von Lebensmittel ist erst in den letzten 20 Jahren eingezogen. ..... obwohl inne DäDäRä Lebensmittel mit 3:1 subventioniert waren. Also für 1,00 M die der DDR-Bürger für Lebensmittel ausgegeben hat, mußte der Staat 3,00 Mark drauflegen. Ein 3 Pfund-Brot hat 0,93 M gekostet, beim selbstständigen Bäckermeister manchmal auch 1,00 M .... theoretisch hätte es aber 4,00 Mark kosten müssen.
Irgendwann Anfang der ´80er hat die Plankommision mal laut darüber nachgedacht die Subventionen zu halbieren, um den Staatshaushalt zu entlasten. ..... das wurde vom ZK abgelehnt, weil es im Sozialismus keine Preissteigerungen bei den Grundbedürfnissen des Menschen geben durfte. ... einfach gesagt, es wäre der Gesichtsverlust vorm Westen und Wasser auf dessen Mühlen gewesen.

Ich kann Dir nur von meinen Erinnerungen berichten, was und wie es andere erlebt und in Erinnerung haben kann sich durchaus von den meinen Unterscheiden.

Wartfan
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Re: Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

Beitrag von Wartfan » Dienstag 13. Mai 2014, 23:28

Hi,
Danke das ist alles wirklich schon sehr genau danke. Das mit den Subventionen ist mir auch bekannt.
Nur nicht mit Private Bäckermeister. Ich weiß das es rein rechtlich Privatbetriebe in der DDR gab aber ich dachte das war auch mehr um den Schein zu wahren. Und das es kaum welche gab. Mir bekannt ist die Heinz Melkus KG. Aber das hab ich nicht gewusst danke

majo
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Re: Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

Beitrag von majo » Mittwoch 14. Mai 2014, 20:47

Privatbetriebe gab es schon.
Als man nach der letzten Enteignungswelle 1972 auch das letzte Quäntchen Innovation ausgelöscht hatte, hat man sehr schnell gemerkt, daß der Zentralismus genau an dieser Stelle scheitert. Zu dem konnten trotz staatl. Lenkung u. Kontrolle die wachsenden Bedürfnisse der Bevölkerung nicht befriedigt werden. Deshalb wurden Betriebe die der Grundversorgung dienten, oder diese die sich mit Bereichen ( meist Dienstleistungen ) befassten, welche den staatl. Betrieben zu viel Aufwand bedeuteten, langsam wieder in private Hand vergeben.
So gab es Bäcker, Fleischer, Kunstgewerbe, Reifen-Service, Autowerkstätten, Fuhrbetriebe, Schäfereien, Pelztierfarmen, Uhrmacher, Wäschereien, Baufirmen, Tischler, Sattler, ect.pp. ..... die Besteuerung dieser Privat-Betriebe lag je nach Umsatz bei bis zu 93%. :shock: .... trotzdem hatte jeder " Privatmann " immer noch 10 mal mehr als ein Otto-Normal-Arbeiter.

.... es ging halt vieles unter der Hand. :zwink:

Wartfan
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Re: Wieder eine Sache aus dem DDR Altag

Beitrag von Wartfan » Montag 19. Mai 2014, 09:05

93%
Boah das ist echt heftig. Naja gut danke danke. :)

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